Krisengespräche stellen eine Strategie für Notfälle dar. Es gibt Situationen, in denen ein Mensch weder ein noch aus weiss. Dann springt der Therapeut oder die Analytikerin ein und führt mit der Person-in-Not Gespräche, um eine gewisse Beruhigung und Klärung der Lage zu bewirken. Es kann auch nötig sein, dass die Angehörigen mit einbezogen werden. Wenn sich die Krise über mehrere Tage hinwegzieht, so sieht der Therapeut oder die Analytikerin den Patienten täglich zu einem Gespräch.
Wie entsteht eine Krise?
Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich dann zu einer Krise verdichten; ein wichtiger Faktor sind zumeist lang hinausgeschobene Probleme, die die betreffende Person nicht wahrhaben will oder mit denen sie nicht umgehen kann. Beispielsweise kann jemand über lange Zeit hinweg Probleme bei der Arbeit oder im Umgang mit den Geschäftskollegen oder Vorgesetzen gehabt haben, was er aber überspielte, indem er jeweils die Arbeitsstelle wechselte. Nun kommen vielleicht weitere aktuelle Faktoren hinzu: Kündigung wegen Umstrukturierung, eigene Erkrankung oder Verlust und Enttäuschung von Freunden und Angehörigen. Hinter jeder Krise stecken unbearbeitete Konflikte.
Es kann auch sein, dass sich eine Person ganz anders wahrnimmt als dies die Anderen tun. Jemand hält sich beispielsweise für fähig, eine bestimmte Arbeit zu verrichten, während die Anderen das nicht so sehen. Diese Person meint dann, dass nur die Anderen an ihrem Unglück „schuld“ seien. Sie nimmt dann die eigene Unfähigkeit als Ablehnung der Anderen wahr, leidet daran und versteht sie überhaupt nicht.
Wie sollen sich Angehörige einem Menschen-in-Not gegenüber verhalten?
Normalerweise sind Angehörige von der Situation überfordert und können höchstens vorübergehend stabilisieren und helfen. Es ist wichtig, dass Freunde und Familienangehörige ihre Möglichkeiten klar signalisieren, zum Auffinden einer Fachperson beitragen und sich dann auch konsequent abgrenzen. Dies kann sehr schwer fallen, doch mittel- und langfristig gesehen hat der Mensch-in-Not damit eine bessere Chance, sich neu zu orientieren.
Ist jede Krise eine Chance?
Das ist eine schwierige Frage! Der gut gemeinte Satz, wonach man alles auch von der positiven Seite betrachten sollte, kann unglaublich dumm sein, seinen pädagogischen Zweck verfehlen und sogar an Zynismus grenzen. Tatsache ist, dass er einem Menschen-in-Not nichts nützt. Die Krise bedeutet für den Betroffenen unsägliches Leid, aus dem heraus er erst wieder Boden unter den Füssen gewinnen muss, um dann später im Rückblick entscheiden zu können, ob die Krise für sein Leben wesentlich war.
UpDate Dr. Chr. Quitzau Schneider:13.07.2009 - Impressum - Mail an die Verfasserin