Die Komplexität des Themas gemahnt einen zu besonders vorsichtigen Überlegungen. Die folgenden Gedanken stützen sich nur auf den obigen Artikel und geben keine Beurteilung ab. Es werden lediglich Gedanken zu Ereignissen geäussert, die weiter zu verfolgen sind. Es wird hier die These vertreten, dass der Terrorismus unter einer extrem gescheiterten Integration betrachtet werden kann.
Der zitierte Artikel zeigt, dass wir zwischen zwei Gruppen von Attentätern zu unterscheiden haben. Diejenigen wie der Autor, deren Eltern eingewandert sind und die eine gute, aufgeklärte Ausbildung geniessen, geraten in den Konflikt zwischen Herkunft und Zugehörigkeit zur westlichen Gesellschaft. Das Identitätsproblem der zweiten Gruppe von Attentäter sieht anders aus. Sie sind nicht in unsere Kultur integriert und haben auch kein Interesse daran mit uns hier zu leben. Ich möchte nur die erste Gruppe anschauen. Der Autor wird vom Saulus zum Paulus. Er verwandelt sich vom aggressiven, hetzredenden Muslim, der der Falschheit des dualistischen Weltbildes aufsitzt, zu einem aufgeklärten Britischen Bürger pakistanischer Herkunft. Warum verhielt er sich zu der Kultur, in die er lebte, feindlich und was trägt zu seiner Verhaltensänderung bei? Er selbst sieht den Grund in der vereinfachten, dualistischen Auslegung der muslimischen politischen Theologie und dem Versagen der muslimischen Organisationen in England. Dies erklärt allerdings nicht, warum einige wenige Muslime auf eine extremistische Sicht hereinfallen und andere nicht. Man kann auch nicht sagen, dass es dem ausschliesslichen Versagen unserer traditionellen Kirchen anzulasten sei, dass sich junge Menschen hiesigen Sekten, z.B. von Baghwan oder Scientology zugewendet haben. Darüber würden einige, die dort war, vielleicht lachen. Es ist vielmehr zu vermuten, dass das religiöse Anliegen hüben wie drüben immer auch mit mehr oder weniger bewussten Erwartungen und Wünschen, welches Leben man in der Gesellschaft führen will, gekoppelt ist. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass man die Integration etwas differenzierter anschauen muss. Muslime oder fremdländische Menschen mögen tagsüber aufgrund ihres Berufes respektierte und angesehene Personen sein; sobald aber die Arbeit getan ist und jeder seinen Weg nach Hause in die Familie antritt, zeigen sich die Unterschiede: der Einheimische ist zu Hause und der Fremde, wenn er sich nicht in Vereinen oder bei bestimmten Anlässen des Gastlandes engagiert, nicht. Sucht der Fremde seine Integration vor allem bei eigenen Gruppen, dann ist es entscheidend, wie deren Ausrichtung ist. Lebt der Geist der Gruppe vom Freund-Feind-Schema und wird der Feind überall dort verortet, wo die eigene Identität bedroht ist, dann werden radikale Geister geweckt. Radikale Geister werden, so scheint es, bei der jüngeren Generation aber auch dann geweckt, wenn der Geist der Gruppe schläft und die spezifischen Unterschiede der Kulturen verwischt werden. Es scheint, dass der Geist einer Gruppe von innen und von aussen gefördert werden muss, damit die Integration fremdländischer Menschen in Folgegenerationen gelingt.
